Wir geben auf und lassen uns abholen
Alles naß, keine Aussicht auf Regenstop.
Alles naß, keine Aussicht auf Regenstop.
Aber der Sturm hat sich noch nicht verzogen. Es bläst ganz ordentlich. Und zwar so, daß wir nicht mit dem Kanu übern See können.
Wir sitzen also fest.
Ok, wir waren nicht im Klostergarten. Wir mußten einige Kleinigkeiten einkaufen und entschlossen uns zu einem 10km-Marsch nach Lychen. Als wir dort beim Netto ankamen, fing es an zu grummeln. Dieses erste Gewitter zog noch an uns vorbei, das Wetter wurde anschließend sogar wieder schön. Seit 20 Uhr ist sich das Wetter aber nicht so richtig einig, ob es über unserem winzigen Zelt nicht doch noch gewittern sollte. Derzeit regnet es (schon das ist in dem winzigen Ding nicht lustig) und rund um uns rum grummelt und blitzt es. Aber wir sind auf einem Zeltplatz mit einem Wetterhus. Das ist ein Holzhaus, in das man sich zurück ziehen kann, wenn es zu schlimm wird.
Na, schaumermal. Hat gerade geblotzen und fürchterlich gedonnert.
Wir sind heute nach weiteren 13 km auf dem Zeltplatz Himmelpfort angekommen. Himmelpfort, das ist der Ort, wo der Weihnachtnachtsmann sitzt. Ihr erinnert Euch?
Der Zeltplatz mit der Biwak-Station ist schön, aber teuer. Allerdings ist Duschen, Wlan und son Zeugs mit drin. Nur Bier nicht :-).
Da es morgen Nacht gewittern soll, werden wir wahrscheinlich bis übermorgen hier bleiben. Macht aber nix. Man kann den Klostergarten Himmelpfort besuchen und sich hier durch die Schnäpse, die die verkaufen durchprobieren. Kostet pro Schnaps 50 Cent und es gibt sowas wie Knoblauchschnaps. Das Zeug zieht durch, haben wir vor ein paar Jahren schon mal probiert.

Los ging es um 08:00 Uhr. Petra war aufgrund des Biolärms schon lange wach, ich hörte aufgrund meiner Ohrstöpsel nix. Beim Packen stellen wir völlig überrascht fest, daß in so ein Kanu fast genau so viel Krempel paßt, wie in ein 10 Meter-Boot.
Das ist das Bild vom heutigen Abend, nachdem wir alles wieder ausgepackt hatten.
Dann hatten wir unseren first Spaß in der Schleuse Kannenburg. Von 3 großen Booten wußte einer, wie es geht. Der letzte fuhr schon auf gerader Strecke vor der Schleuse nur mit Bugquirl. In der Schleuse wurde es so schlimm, daß der Schleusenwärter ihn anbrüllte, er solle jetzt den Motor ausmachen und den Rest mit den Bootshaken richten. Der Mann machte zwar den Motor aus, aber keine Anstalten, einen Bootshaken zur Hand zu nehmen (und neben dem sollten wir liegen, wenn er denn endlich festgemacht hatte!). Irgendwie schafften er und seine Frau es schließlich, die Leinen auch ohne Bootshaken über die Dalben zu bekommen. Als es dann endlich mit dem Schleusen losging und wir uns längsseits an ihrem Kahn festhielten, bekamen sie das offensichtlich nicht mit. Jedenfalls fragte Sie mit verschwörererischer Stimme:“ Wo sind eigentlich unsere Bootshaken?“. Er:“ Irgendwo da unten“. Oh man ey.
Das Highligth des Tages war aber, als ich Petra fragte, ob sie denn nach Schildkröten Ausschau halten würde. Sie meinte, ich solle aufhören, sie zu veralbern. Etwa 1 Km weiter saß eine Sumpfschildkröte auf einem Ast.
Die Nacht verbringen wir in Röddelin und und haben eigentlich beide keinen Bock, morgen den ganzen Krempel wieder einzupacken. Man kann man verwöhnt sein.
Übrigens, da ich keinen Rechner mithabe, gibt es diesmal auch tatsächlich nur Handybilder. Als keine Schlangen, keine Libellen, keine Schildkröten.
Wir fuhren heute 15 Kilometer von Mildenberg bis Kannenburg. Zwischenzeitlich kam schon mal kurz schlechte Laune auf, sind wir es doch nicht gewohnt, uns mit Muskelkraft fortzubewegen. Oh man ey. Irgendwie tun uns sogar die Beine weh. Dabei sind wir garnicht gelaufen. Vom Kreuz und den Schultern will ich mal nicht reden. Aber hier in Kannenburg wurden wir entschädigt. Es gibt einen Biwakplatz an einem Glas-Bier-Geschäft. Der Sohn des Inhabers ist offensichtlich passionierter Gespannfahrer. Er übte mit einem 6er-Gespann (6 Pferde vor einem Wagen). Da kam ein klein bissel Wehmut bei mir auf. Ist es doch schonknapp 30 Jahre her, daß ich das letzte Mal fuhr.
Ich versuche, ein Bild hochzuladen, fürchte aber, es wird wieder nicht funktionieren. Wir sind hier in der Pampa und haben kein besonders gutes Netz.

Wir haben vor, die Havel mit einem Bruchteil von Boot zu befahren. Einem Kanu. Die erste Herausforderung war das Klamottenpacken. Wir feilschten um jedes Gramm und es gab nicht mal Streit dabei. Bis ich mit einer Palette Dosnbier ankam …. . Derzeit sind wir noch in der Kanustation Mildenberg und es geht erst morgen los. Paßt ganz gut, da können wir das neue Zelt mal ausprobieren. Und die neuen aufblasbaren (meine ist selbstaufblasend) ISO-Matten. Morgen geht es los und wir haben keine Ahnung, was da auf uns zukommt. Wie weit werden wir an einem Tag kommen? Ab wann tut das Kreuz derartig weh, daß man hinschmeißt? Wird es bekloppte Charterbootfahrer geben, die Ihre eigene Welle nicht einschätzen können (meine größte Befürchtung). Werden wir unser gesamtes Gepäck ins Kanu bekommen? Aber derzeit machen wir uns nicht sooo sehr einen Kopp und genießen lieber den Augenblick.
Leidee kann ich das geplante Bild aufgrund der schlechten Datenverbindung nicht hochladen. Schade
Das Bild habe ich nachträglich hochgeladen.
Es ist in diesem Jahr die erste Nacht, die wir auf dem See verbringen. Wir liegen auf dem Langen Zug, welche lediglich eine halbe Stunde von unsrem Heimathafen entfernt ist. Der Tag war warm, wenn man nicht gerade unter dem Sonnensegel saß. Da kam ein relativ kalter Wind über den See. Klappten wir das Segel jedoch ein, war es vor Hitze nicht auszuhalten.
Bilder gibt es aus Protest keine. Es war vorhin ein Fischadler über dem See auf der Jagd. Ich also die Kamera mit dem 400 mm Tele rausgeholt. Irgendwie passierte dann aber nix. Also die Graugänse, die ebenfalls auf dem See waren, ins Visier genommen. Da passierte aber auch nix und die Sonne versank langsam hinter den Bäumen. Also dachte ich: Bringste den Apparat wieder runter in die Kajüte. Komme wieder raus (ohne Fotoapparat!) da fliegt doch so ein Scheißfischadler in fotogrfierbarer Nähe mit einem Fisch in den Klauen an mir vorbei. Darum gibt es nicht einmal Graugänse zu sehen!
Sobald dein Bier alle ist, steht einer mit ner Trommel voll Neuem vor Dir und stellt ungefragt ein Neues hin.
Oh man ey. Wir müssen noch einen Zug kriegen.
Wir sitzen im U Fleku. Wenn es um Biertrinken geht, ist das DIE Institution in Prag und dürfte wohl jedem DDR-Bürger bekannt sein. Früher ein Sehnsuchtsort.
Wir haben noch nicht mal richtig gesessen, da stand schon einer mit einem Tablett voller Bier an unserem Tisch und stellte die Gläser einfach hin. Man hätte aktiv Nein sagen müssen, was aber extrem unhöflich ist. Als nächstes kam einer mit Becherovka.
Heute brach der vorletzte Tag an, morgen geht es ab 16:28 Uhr mit dem Zug zurück. Das Wetter hat heute echt mitgespielt und wir haben es genutzt. Ich z.B., um eine meiner Daunenjacken (ich hatte 2 an) auszuziehen und anschließend so einzeln in der Hand mit mir rumzutragen.
Der Plan sah heute den Botanischen Garten vor und wir hielten den Plan ein. Der Garten selbst gehört zur Karlsuniversität. Bezahlen muß man nur, wenn man die Gewächshäuser besichtigen will. Der Rest ist einfach so zugänglich, was ich von zu Hause anders kenne. Die Bilder, die jetzt kommen, sind dem Ingenieur (ich), der Botanikerin (Petra) und dem Fotografen (ich) geschuldet.
Mir fielen sofort die hochpräzisen Meßinstrumente auf, die eine sehr fein abgestufte Steuerung des Gewächshausklimas erlauben.
Petra wußte sofort, daß dies eine Strelitzie ist. Was sie nicht wußte – wie es geschrieben wird. Ich auch nicht – aber ich bin der mit der Internet-Flatrate.
An dem Motiv kam der Fotograf nicht vorbei. Ist eine Sukkulente.
Anschließend waren wir auf der Schützeninsel mitten in der Moldau eine Kleinigkeit essen und ein Bier trinken. Oh man ey. Mitten in der Moldau – bei Sonne (ok, nur 12 Grad aber Windschatten! und damit echt warm) – mit tschechischem Bier! Besser gehts nicht.
Auf dem Rückweg trafen wir Relikte der Kindheit. Ausgerechnet präsentiert von Hamleys London, einer Spielzeugfirma.
Ok, Stormtroopers gab es auch. Bilder spare ich mir.
Wir waren heute auf dem Prager Fernsehturm (schon berichtet mit dreckigen Scheiben) und auf 3 (drei) Friedhöfen. Prag hat Unmengen an Friedhöfen und alle beherbergen unglaublich viele Tote. Geschuldet ist dies dem schwarzen Tod, der mehrfach in der Stadt wütete.
Aber laßt mich mit dem Fernsehturm, unserer ersten heutigen Station beginnen. Erbaut von 1985 – 1992 ist er eine besondere Erscheinung, weil er sich optisch-architektonisch von anderen Fernsehtürmen unterscheidet. Der architektonische Clou sind 12 schwarze Babyˋs, die die Röhren raufklettern.
Der Service im Restaurant ist grottig und die Scheiben überall dreckig.
Neben dem Fernsehturm ist ein jüdischer Friedhof zu finden, der laut Stadtfürer einfach nur „Jüdischer Friedhof“ heißt. Am Friedhof selbst ist zu lesen “ Old Jewish Cemmetry“. Fakt ist, er wurde im 17ten Jahrhundert angelegt und das hatte etwas mit der Pest 1679 bis 1680 zu tun. Nochmal richtig wichtig wurde er beim nächsten großen Ausbruch von 1713 – 1714. Interessant sind in dem Zusammenhang auch die Wolschaner Friedhöfe (werden durch eine Straße geteilt, daher Mehrzahl). Diese wurden im gleichen Zeitraum angelegt, aus der gleichen Not. So ist der Mensch nicht einmal im Tode gleich. Hintergrund hierfür ist sicher auch der jüdische Glaube. Dieser verbietet die Auflösung von Gräbern. Somit sind auf den jüdischen Friedhöfen unglaublich viele Leichen bestattet, es gibt jedoch nur für einen Bruchteil davon Grabsteine. Die Toten werden übereinander bestattet. Da kann ich mir vorstellen, daß von dieser Seite ein Beerdigung auf einem Friedhof einer anderen Glaubensrichtung abgelehnt wird. Denn auf z.B. christlichen Friedhöfen werden Gräber aufgelöst, wenn nicht mehr gezahlt wird.
Letztendlich waren wir bei „Dr. Franz Kafka“ auf dem neuen Jüdischen Friedhof. Wobei NEU relativ ist. Geplant wurde der Friedhof für 100.000 Tote, derzeit sind ca. 25.000 Leichen beerdigt. Unter anderem ebenjener Kafka.
Was jedoch für alle Friedhöfe gilt, ist die Änderung der Namensschreibung ab ungefähr 1920. Wurden Anfang des 20ten Jahrhunderts unheimlich viele Menschen mit rein deutschen Namen begraben, änderte sich dies mit der Gründung der Tschecheslowakei im Jahre 1918. Ein krasses Beispiel findet Ihr im Bild unten. Der Vater wurde in 1912 noch als Raubitschek begraben, der Sohn in 1930 bereits als Roubiczek.