Wir schreiben das Jahr 2012

Wir schreiben das Jahr 2012

Im Jahr 2012 gab es eine Diskussion, wie man hohe Spritpreise bekämpfen könne. Es standen zwei Modelle zur Auswahl. Einmal das Östereichsche, welches vorsah, daß Tankstellen Spritpreise nur einmal am Tag ändern dürfen. Im namensgebenden Land wurde das so gehandhabt. Und zum Anderen das freiheitlich-marktwirtschaftliche, welches eine Marktransparenzstelle und eine App vorsah. Mit dieser App konnte der Autofahrer genau sehen, an welcher Tankstelle der Sprit wieviel kostet. Ich regte mich damals fürchterlich über die Diskussion auf, denn das Transparenzmodell bedeutete, daß Autofahrer weite Wege zurücklegten und im schlimmsten Fall an der “billigsten” Tankstelle ankamen und – poff – hatte die günstige Tankstelle den Preis 3 Minuten vor seiner Ankunft erhöht hat. Das schien mir weder logisch, noch im Sinne der Umwelt und schon gar nicht im Sinne des Bürgers. Denn bei einem Oligopol ist die Auswahl eh eingeschränkt. Es war also von vornherein absehbar, daß das ein Placebo ist und genauso kam es. Denn witzigerweise hatte man auch für die Mineralölkonzerne eine einheitliche Datengrundlage geschaffen, um Preisgestaltung automatisiert zu betreiben. Ich denke, die armen Abgeordneten konnten nichts dafür, denn die Überlegung ist wahrscheinlich zu abstrakt. Aber auch die Mineralölkonzerne warnten vor der Umsetzung des Österreichschen Models. Das Ganze insinuiert, daß eine einzelne Auto-Tankfüllung direkt beim Spotmarkt abgerufen, vorgenommen und auch abgerechnet wird. Auch das ist eine sehr abstrakte Überlegung und auch völliger Unsinn. Der Treibstoff, der im großen Tank der Tankstelle ist, hat bereits einen Preis. Sonst wäre er nicht dort reingekommen! Es ist ja schließlich kein Kommissionshandel!!! Das heißt, jede Preiserhöhung und jede Preissenkung hat einen genau kalkulierbaren Einfluß auf die Marge. Und die soll so hoch wie möglich sein, Maximalprofit bei Strafe ihres Untergangs.

Und jetzt sind wir im Jahr 2026. Es begann der brutale, völkerrechtswidrige Angriffskrieg der großen Vereinigten Staaten von Amerika und Israels gegen den Iran. Das ist ja echt blöd gelaufen. Also als völkerrechtwidrig sieht die Bundesregierung den Krieg offensichtlich nicht an, zumindest habe ich das nirgends gelesen, gesehen oder gehört. Aber darum soll es nicht gehen,, denn Völkerrecht ist, wenn es um Verbündete, Freunde, Waffenbrüder, Brudervölker geht, eh eine Petitesse. Für alle völlig überraschend hat der brutale, völkerrechtswidrige Angriffskrieg der großen Vereinigten Staaten von Amerika und Israels gegen den Iran (ich kann es nicht oft genug widerholen, denn auch beim brutalen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russland auf die Ukraine muß ich mir das ständig anhören – und Gleiches sollte auch gleich benannt werden!) direkt Folgen auf die Lieferungen von Rohöl durch die Straße von Hormus. Denn als man die Kapitäne der US-Kriegsschiffe und die Piloten der israelischen Luftwaffe befragte, wo sie denn gerade seien, sagten die Einen, sie seien gerade durch die Straße von Hormus gefahren, um den Iran zu bombardieren. Die anderen sagten, sie flögen gerade in Richtung Iran, um diesen zu bombardieren und hätten rechts die Straße von Hormus gesehen. Daraufhin fällt es allen Beteiligte wie Schuppen von den Augen. Der Iran, der immer drohte, bei einem Angriff diese oft erwähnte Straße zu schließen, liegt direkt an besagter Straße. Und es ist gar keine Straße. Es ist ein Seeweg, durch den nicht unerhebliche Mengen Rohöl transportiert werden. Und was macht der Iran? Der wehrt sich, auch für alle völlig überraschend, mit allen Mitteln. Unter anderem beschießt er Schiffe, die durch die ihr-wißt-schon-welche-Straße fahren. Das ist wahrscheinlich völkerrechtswidrig, da der Iran mit den meisten Flaggenstaaten keinen Händel hat. Aber der Iran sieht angesichts des brutalen, völkerrechtswidrigen Angriffs der großen Vereinigten Staaten von Amerika und Israels und insbesondere des Schweigens der Verfechter des Völkerrechts, wenn es um Verbündete geht, das Völkerrecht wahrscheinlich auch eher als Empfehlung an. Wie überraschend.

So, und jetzt kommen wir nach Hause. Jetzt kramen doch u.a. die CDU, die die Marktransparenzstelle im Jahr 2012 unbedingt wollte, das alte Östereichsche Model wieder raus. Es soll Tankstellen nur noch einmal am Tag  eine Preisänderung erlaubt werden. Und jetzt wage ich eine Prognose, auch wenn die schwierig sind, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Es geht nicht um den Bürger, sondern um den Wähler. Der Irankrieg ist eher beendet, als der Bundestag zu Potte kommt. Bei Ende des brutalen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den Iran bläst man das Vorhaben ab, denn es ist ja wie bei sinkender Inflation. Bei sinkender Inflation sinken nach Ansicht einiger Bundestagsabgeordneter auch die Preise wieder. Daher sind die Maßnahmen nach Ende der Kampfhandlungen nicht mehr nötig und es wird zum Tagesgeschäft übergegangen.  Aber im nächsten Wahlkampf kann man den Wähler deutlich darauf hinweisen, daß man gehandelt habe. Ich bin bereit, mich zu entschuldigen, wenn es anders kommt. Glaube jedoch, das wird nicht nötig sein.

Um es ganz klar zu sagen: Der Treibstoff, den der Autofahrer, der Bürger tankt, kommt nur im allerseltensten Fall über die Spotbörse. Und selbst das betrifft dann die komplette Tankfüllung der Tankstelle. Allgemein wird Rohöl an der Warenterminbörse gehandelt. Das heiß, der Sprit, den ich heute tanke hat vor 2- 4 Monaten seinen Preis bekommen. Bedeutet: Preiserhöhungen über den Tag, ohne daß neuer Sprit an die Tankstelle geliefert wurde, dienen seit Jahren der Gewinnmaximierung. Aber klar, das ist für viele Abgeordnete neu.

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